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Stephan Meier - Satumaa (Märchenland) (VHS)
Unterwegs mit dem finnischen
"Lasse Santakangas Ensemble"
Ach, wenn ich doch einmal in dieses
Märchenland gelangen könnte, /
dann würde ich niemals wie ein
Vogel von dort wegfliegen. //
Aber ohne Flügel kann ich nicht fliegen,
ich bin ein Gefangener dieser Erde. /
aus: "Satumaa"
Der 1955 von Unto Mononen komponierte und getextete Tango "Satumaa" (Märchenland) hat sich im Laufe der Jahre zur heimlichen finnischen Nationalhymne entwickelt. Der Wunsch, dieses dunkle und unwirtliche Finnland verlassen zu können, muss sich tief in die Seelen seiner Bewohner eingegraben haben. In so gut wie jeder Musikbox findet sich die berühmteste aller Einspielungen von "Satumaa", die des Waldarbeiters Reijo Taipale aus dem Jahre 1962. Aber auch junge Punk- und Rockmusiker nehmen ihre Versionen von "Satumaa" in ihr Repertoire auf (z.B. die Band "Kumikameli", 1996).
Bot der zentraleuropäische Tango nach dem 2. Weltkrieg nur noch Eskapismus und sentimentale Exotik und überlebte allerhöchstens als rhythmisches Modell, so wurde der Tango in Finnland zu einem eigenen Genre mit wichtigen sozialen und kulturellen Funktionen. Die Nachkriegstangos mit ihren finnischen Texten wurde in der "Schweige-Kultur" Finnlands zur Ersatzsprache, um über schwierige Fragen wie Liebe, Freude, Sorge und Sehnsucht zu kommunizieren.
Der Tango scheint in Finnland eine neue Heimat gefunden zu haben, von seinen Ursprüngen ist kaum noch etwas zu erkennen. Kein filigranes Bandoneon, das "klagt und keucht und aggressive Akzente setzt", sondern das gehäbige fünfreihige Knopf-Akkordeon weint und tröstet. Die Synkopen wurden gestrichen. Gespielt wird immer in Moll. Und der Tanz der Paare ist fern jeglicher Erotik oder Obszönität, kein "ewiger Kampf zwischen Mann und Frau im Liebesakt", sondern ein melancholisches Miteinander in dem Wissen, dass alle "Gefangene dieser Erde sind".
Der finnische Tango erzählt wieder von dem verlorenen Paradies, von den Sorgen des Lebens, von Verlust und Enttäuschung und lässt von einem Ende der Qualen träumen. Kein "trauriger Gedanke, der getanzt werden kann, sondern ein trauriges Leben, das gelebt werden muss.
Nach Somero im Südwesten Finnlands verirren sich keine Touristen. Es liegt abseits der Hauptstraßen und ist ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Keine malerischen, rot gestrichenen Holzhäuser säumen die einzige große Dorfstraße, sondern Baracken und betonierte Flachbauten. Merkwürdig versetzt, wie zufällig hingewürfelt stehen sie da und lassen immer wieder Platz für Brachflächen, die übersät sind mit ölig schimmernden Wasserpfützen. Dieses Dorf hat finnische Musikgeschichte geschrieben: Hier hat der nach Toivo Kärki bekannteste finnische Tangokomponist Unto Mononen gelebt. Hier hat er 1955 den Tango "Satumaa" (Das Märchenland) komponiert und getextet. Und hier hat er sich, von Alkoholexessen gezeichnet, 1968 erschossen.
Ebenfalls aus Somero stammt das "Lasse Santakangas Ensemble". Es setzt sich zusammen aus fünf Musikern und einer Sängerin, die alle, sofern sie nicht im Rentenalter sind, neben der Musik nicht-künstlerische Berufe ausüben.
Im Sommer zieht die Band über die Dörfer und spielt auf kleinen Festivals und in den Hinterzimmern der Restaurants und Kneipen. Ihr Repertoire besteht hauptsächlich aus Finnischem Tango, speziell die Kompositionen von Unto Mononen.
Der Akkordeonist Lasse Santakangas wurde 1927 geboren und konnte 2002 sein 60. Bandjubiläum feiern. Seine Tochter Kaija singt und sein Enkel Markus sitzt am Schlagzeug. Die drei Musiker der Familie Santakangas werden ergänzt durch Aarne Tuomola an der Gitarre, Erkki Aalto am Bass und Teuvo Ihanus (geb. 1932) am zweiten Akkordeon.
Der Film zeigt das persönliche Portrait der einzelnen Musiker und lässt sie von ihrem Leben, ihre Musik und nicht zuletzt von der Melancholie des Finnischen Tangos erzählen. Der Tango ist der Blues der Finnen. Text: Stephan Meier
Band:
Lasse Santakanga - Akkordeon
Teuvo Ihanus - Akkordeon
Kaja Santakangas - Gesang
Aarne Tuomola - Gitarre
Erkki Alto - Bass
Markus Santakangas - Schlagzeug
Ein Film von Stephan Meier
Kamera: Bernd Schuller
Schnitt: Marcel Belledin
Produktion: Körnerstrasse Film PAL, Länge ca. 30 Min
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